Korsika 2011

Korsika – Insel der Berge und Täler
Reisebericht von der Insel der Schönheit

Begonnen hatte ja alles im Jahr 2010, genauer gesagt, im September 2010. Da wurde, angespornt durch meinem Arbeitskollegen und Bikerfreund Erich, das Unternehmen Korsika 2011 gestartet. Wie bei mir so üblich, wird das Internet nach möglichen Zielen, Gebieten und Routen durchstöbert, Abklärungen über Termine und auch Mitstreiter getroffen. Schnell waren vier gefunden, die sich dieses Abenteuer und Erlebnis nicht entgehen lassen wollten.

Ebenso rasch war klar, es wird wieder eine fixe Station, von der aus man(n) dann sternförmig ausschwärmt und die Landschaft, die Strände und sonstwelch Sehenswertes erkunden kann. Die Wahl fiel auf ein Hotel in der Nähe von Calvi, ein sehr schönes gepflegtes ***Stern Hotel mit Pool.

Obwohl so nahe, doch so fern! Ja das war vielleicht der einzige Wehrmutstropfen bei der Hotelwahl, denn ohne Fahrzeug geht da gar nichts. Das war aber für uns kein Thema, da wir ja sogenannte Warmduscher sind und die Anreise mit Auto und Hänger absolvierten.

Nach der Fixierung des Quartieres dann noch die Fähre gebucht, dieses mal über Corsica-Ferries, von Livorno ausgehend nach Bastia. Der Preis war komischerweise teurer als die letztjährige Passage nach Sardinien, obwohl diese mit Kabine war.

Der geliehene Hänger war nicht nur nicht teuer, sondern auch eine Wucht. Zwar ein Ungetüm von gut 6,5m, aber der Doppelachser lief wie eine Eins. Wäre das doch recht ordentliche Gewicht nicht gewesen, dann hätte man beinahe das Anhängsel vergessen können. 😉 Auch das Verladen war unproblematisch und vollkommen easy. Die Vorrichtung am Hänger ideal, sodass dies am Vortag der Anreise rasch erledigt war.

Leider meinte es das Schicksal mit unserem Erich nicht besonders gut, denn gut 3 Wochen vor Abfahrt sägte er sich bei Heimarbeiten seinen rechten Zeigefinger weg! Ja richtig gelesen, er zog es vor, sich lieber den Finger abzusägen, als mit uns und mit seiner brandneuen Tiger auf Tour zu gehen. Erich, schade dass das so gelaufen ist, aber ich/wir sind sehr froh, dass der Finger durch die Kunst der Ärzte in Innsbruck wieder an seiner Stelle ist und du wieder voll Einsatzfähig bist! 🙂

Das war natürlich einiges an Aufregung. Die Frage, wie lösen wir das Problem, fahren wir nur zu dritt, oder finden wir doch noch kurzfristig einen Ersatz, der auch zur Truppe passt. Ja wir hatten Glück und einen Ersatz gefunden. Einen der sauguat zu uns dazu gepasst hatte und bei dem es schön wäre, wenn wir ihn bei einem unserem nächsten Ausflüge in Bikerländer wieder an Bord begrüßen könnten! Danke Martin, du warst KEIN Ersatz, sondern viel mehr als das, du warst einfach ein toller Kumpel, lustig, kollegial, immer gut gelaunt, einfach SUPER!

Der 17.04.11 war gekommen. Um Punkt 03:30 ging es los, wird wollten keinen Stress aufkommen lassen, genügend Zeit für Pausen und Capo einplanen um uns bei der Anfahrt sozusagen schon in Stimmung zu bringen. Nun ja ganz ist das natürlich nicht möglich, aber in Summe war es recht locker. Einzig Livorno selbst wurde ein kleines Abenteuer, hatte ich doch glatt die richtige Ausfahrt in den Hafen verpasst. Jetzt fahre ich schon das x-te mal da runter und nie fuhr ich daran vorbei. Nun war es passiert und das machte das Ganze etwas schwieriger. Das Hafengelände ist ja nicht gerade sehr übersichtlich und wenn man mit 6,5m im Rücken durch Livorno kutschiert, dann bekommt man schon die eine oder andere Schweißperle auf der Stirn, denn so geübt bin ich dann auch wieder nicht.

Ein wenig Kopfweh bereitete uns dann der Türsteher am Hafen, der der dafür zuständig ist, dass man sich in die wartende Schlange der Passagiere einreihen darf. Ein kurzer Blick auf unsere Papiere, ein seitlicher Schwenk mit den Augen in Richtung Hänger und sogleich ein „zu lang“! Ohje, gedacht hatte ich ja, dass er eventuell bei der Breite motzt, denn da war ich um gut 10cm gegenüber der Angabe beim Buchen drüber. Nein, die Länge war es. Kurzer Kommentar seinerseits: da müssen wir nachmessen!  OK, soll er, nur rauf auf die Fähre. Auf der FähreDas Nachmessen passierte auch, daher weiß ich auch, dass das Gespann so lange ist. Leider hatte uns das einen Obolus von weiteren 74,– Euros für hin- und zurück eingebracht. Na ja, im Leben ist halt nichts geschenkt!

Auf Korsika angekommen war es eigentlich ein Kinderspiel das Hotel Cesario aufzuspüren. Gut 2 1/2 Stunden später und nach Einverleibung einer Pizza war es dann soweit, das Hotel lag uns zu Füßen. Schmuckes Hotel, das uns für die ganze Woche hervorragend als Basisstation gedient hatte. Der abendliche Festschmaus war nur zum Teil ein Festschmaus. Das korsische Menü war nicht jedermanns Sache bzw. es wurde bei der Wahl bedingt durch das perfekte Französisch unsererseits, schlicht und ergreifend falsch gewählt.

Das ist generell ein Problem hier in Korsika, ohne der französischen Sprache wird es mit den Leckereien ein Lotteriespiel. Mit Englisch, Deutsch kommt man nicht sehr weit, am ehesten wäre da noch italienisch von Vorteil, aber auch da hatten wir einiges Manko aufzubieten. 🙂 Trotz allem, verhungert sind wir nicht, dazu gab es einfach zu viele Pizza Anlaufstellen.

Am nächsten Tag war es dann so weit, die erste Ausfahrt wurde beim Frühstück geplant. Ich mit Karte und Martin mit Navi bewaffnet legten die erste Route fest, Cap Corse sollte es sein. Eine Tour entlang der Küste, mit bezaubernden Ausblicken und größtenteils sehr guten Straßen. Größtenteils deshalb, weil die Straße sehr ruppig wurde und wir mit unseren Straßenmaschinen Angst um unser Gebiß hatten. 😉 Die Tour führte uns auf einer genialen Straße Richtung St. Florent, mit kurzem Stopp an der Küste, um unsere Körper, die sich bei über 30° doch ein wenig erhitzten, abzukühlen. Die Wahl des Strandes war leider nicht sehr glücklich, da das anscheinend ein Lagerplatz für Müll war. Unglaubliche Mengen an Müll war wahrscheinlich durch das Meer an den Strand gespült worden. Sehr schade und keine Auszeichnung für diese ansonsten wunderbare Insel! 😦

Zurück ging es dann via Bastia und Schnellstraße zum Hotel. Diese Straßenführung kannten wir ja schon von der Einreise her und somit ein Heimspiel. Das ließ natürlich das Racerherz von Edi und Martin höher schlagen, beide wollte mal wissen und testen, was so in ihren Maschinen steckt. Angeblich war die Tachonadel bei diesem Versuch bei 230 km/h angekommen. Ein weiterer Geschwindigkeitstest endete erst bei über 240 km/h, so die Aussage. Ich konnte da nicht mitreden, denn Geschwindigkeit ist nicht so das Meine, mir sind Kurven weit lieber, da kann es gar nicht genug geben.

Und die gab es bei dieser Tour natürlich auch zu genüge, schnelle und langsame, alles war dabei. 🙂 Der Abend klang dann bei einem gemütliche Essen aus, die Strapazen hatten doch ihre Spuren bei uns hinterlassen.

Die zweite Tour führte uns via Calvi der Küste entlang nach Galleria. Ja was soll ich sagen, anfangs noch recht gut, jedoch kaum aus Calvi raus begann das Gehopse. Die Straße nach Galleria, an und für sich eine tolle Küstenstraße, war alles andere als super zu fahren. Nichts gegen schmale Straßen, aber dazu auch noch schlecht, das trübt ein wenig den Fahrspaß.

Entschädigt wurden wir allerdings nach Galleria, denn da fuhren wir dann ins Fangotal. Die berühmten „Gumpen“ waren das Ziel. Wir in Tirol kennen solch Gelände natürlich bestens, auch die Bäche die darin fließen, nur so schöne Gumpen, die gibt es bei uns selten bis gar nicht. Hier im Tal wurde dann ein schönes Platzerl gesucht und raus ging es dann aus den Klamotten und rein ins kühle Nass.

Herrlich, das Wasser locker mit 24°, ein wahrer Genuss.

Nach der erfrischenden Pause ging es dann weiter Richtung Porto. Porto erwartete uns mit einer recht rauen See und einem guten Capo. Das Kaffee am Hafen wurde für weitere zwei Besuche unser Stammlokal. Die Rückfahrt war wieder eine Augenweide an Natur pur. Immer oberhalb des Meeres unterwegs gab es einen tollen Ausblich nach dem anderen . 

Der dritte Tag war gekommen und ein weiteres Tal im Inneren Korsikas wollte erforscht werden. Das Ascotal mit dem höchsten Berg Korsikas, dem Monte Cintu, war angesagt. Wieder ging es so bei Temperaturen um ca. 09:30 die 22° los. Dieses mal wählten wir die Route über Calanzana entlang dem Bergrücken in Richtung Ponte Lecchia, um dann vorher rechts ins Tal abzuzweigen. Eine tolle Strecke, der Asphalt größtenteils sehr gut, das Panorama wie überall sehr beeindruckend. Am Ende der Strecke, am Fuße des Monte Cintu dann, gab es die verdiente Pause. Der Blick auf die Schneefelder ließ wieder tiroler Stimmung aufkommen, nur einzig die Temperaturen waren so gar nicht tirolerisch. 😉

Zurück ging es dann, aufgrund der fortgeschrittenen Zeit, wieder über die flotte Partie, der Schnellstraße mit Höchstgeschwindigkeitsgarantie von Edi und Martin! 😉

Heute schrieben wir Dienstag, den 21.06.11. Zum Frühstück kam ein durch einen Mutanten des Ehek-Virus geplagter Martin. Er hatte schon am Vortag des öfteren das WC im Schweinsgalopp in Beschlag genommen, um seinen Bedürfnissen freien Lauf zu lassen. Kurzes Statement von ihm, ich pausiere heute und verbringe den Tag am Pool und in der Nähe der WC-Anlage! 😉

Auch gut, dann werden wir uns nochmals das Cap Corse vornehmen und uns einen schönen Platz, einen besseren als das erste mal, suchen, um uns im Meer zu erfrischen. Zudem werden wir eine andere gebirgige Strecke oberhalb der Küstenstraße nach Nonza fahren (D33), um eben der besagten Rüttelstraße aus dem Weg zu gehen. Das ist uns auch ganz gut gelungen, nur komischerweise hatten wir zwar sehr warme Temperaturen, aber im Norden hatte es sich verdächtig eingetrübt. War aber kein Hindernis, wir wollten einen Sandstrand und baden. Beides ging in Erfüllung. Bei der Fahrt zurück ins Hotel wählten wir die Straße vor Bastia, die D81.

Im Hotel angekommen erwartete uns Martin schon recht sehnsüchtig, ein paar Schwimmzüge im Pool, ein Serena bzw. Pietra (korsische Biere) und die Welt gehörte uns. Martin hatte mittlerweilen auch den Ehekmutanten vernichtet und somit stand einem weiteren abendlichen Besuch Calvis nichts mehr im Wege. Die Futteraufnahme war wie schon in den Tagen zuvor nicht wirklich berauschend, aber wie heißt es so schön, der Hunger ist der beste Koch und so war es dann auch.

Mittwochs stand dann eine längere Fahrt an. Ajaccio war das erklärte Ziel. Gefahren sollte diesesmal nicht über die Küstenstraße D81B nach Galleria, sondern die kürzere, die D81 querab nach Galleria. Von da dann nach Porto und der Küste entlang über Cargese (kurz ins Meer abgetaucht) nach Ajaccio. Und genau so fuhren wir dann auch, eine tolle Tour, super Straßen und ein sehr warmes Ajaccio erwartete uns. Nach einem Bummel durch Ajaccio und unseren obligatorischen Kaffee bzw. „Pomme“ (Christians Fruchtsaftgetränk) wurden wieder die Motoren gestartet. Zurück waren es ja noch einige KM, denn die wollten wir via Corte zurücklegen. Klasse zu fahren, da kam richtig Freude auf. Nach Corte verlegten wir uns wieder auf die Schnellstraße, denn sonst wäre es einfach zu spät geworden. Das hieß auf nach Ponte Lecchia und im Eilzugstempo rüber über den Buckel Richtung Hotel. Eine lange Tour (~350km), es waren so ziemlich alle geschlaucht! 🙂

Der letzte Tag, der Donnerstag war gekommen. Nun gingen uns und unseren Bikes die Asphaltstrecken schön langsam aus. Man(n) will ja nicht immer die Selben in Angriff nehmen. Was haben wir noch nicht erfahren? Richtig, das Restonicatal war eine, die letzte Option. Hier gab es noch Asphalt der von uns unter die Räder genommen werden wollte. Dazu wählten wir zuerst mal die flotte Tour über Ponte Lecchia nach Corte. Von da dann ins Restonicatal rein/rauf. Ein tolle Kulisse, schöne Bergwelt schmale aber gute Straße, ein Erlebnis. Natürlich sollten die Anstrengungen nicht umsonst sein, die Hitze macht einem ja auch ganz schön zu schaffen und Abkühlung sollte, musste schon sein. Nach ein wenig suchen fanden wir ein geeignetes Plätzchen um uns und die Maschinen zu platzieren.
Raus aus den Klamotten und rei……..n ins kühle Nass. Hier war es im wahrsten Sinne des Wortes eine Abkühlung. Satte 14° hatte das Wasser, nicht gerade etwas für Erfrohrene. Ich muss sagen, das hat sogar meinen Segelurlaub mit einer Wassertemperatur von 16° noch getoppt, aber nach der Saunapartie im Leder genau das Richtige. Erfrischend! 😉 Nach der sogenannten Erfrischung und einer kurzen Rast ging es wieder zurück, dieses mal in die andere Richtung. Bei Corte über die D18 und D84 nach Ota und von da dann weiter nach Porto mit letztem kurzen Kaffestopp im Hafen von Porto. Anschließend weiter nach Galleria und über die sehr schöne D81 nach Calanzana ins Hotel Cesario.

So, das war es dann Korsika! Schön war es, warm war es und allen Vorurteilen zum Trotz, freundlich waren die Korsinnen und Korsen, SUPER!

Nach dem Verstauen der Maschinen ging es dann recht unspektakulär zurück in die Heimat nach Tirol. Alles ohne große Aufreger und vollkommen ruhig.

Schlusswort

Am meisten freut es mich, dass wir alle Heil geblieben sind, das ist bei solchen Urlauben nicht unbedingt selbstverständlich. Weiters freut es mich, dass ich wieder einen neuen Bikerfreund kennen lernen durfte, der perfekt dazu gepasst hatte und ein ganz lieber Kerl ist. Danke Christian, ich hoffe wir können das wiederholen! 🙂

Auch Danke möchte ich dem Martin sagen.
Es ist nicht normal und selbstverständlich, dass einer von heute auf morgen für jemanden einspringt. Dass du ein dufter Laggl bist, das wusste ich ja schon aus unserer gemeinsamen Sardinienfahrt. Danke auch an Sue, dass sie dich uns für diese Zeit geliehen hat! 😉

Und zu guter Letzt auch Danke an Edi.
Danke dafür, dass du im Sattel geblieben bist, denn das ist bei deiner Vorgeschichte ja nicht gerade selbstverständlich! 😉 😉 😉

PS:
Unter Fotos kann man alle Bilder bewundern, bestaunen oder bekritteln! 😉

Ein Gedanke zu “Korsika 2011

  1. e.sock schreibt:

    ..da hat`s mir doch gleich noch eine Träne rausgedrückt. Was will uns das sagen? Mindestens 2 Monate vor einer geplanten Tour: „Finger weg von allen Sägen“, sonst kannst du zuhause bleiben.
    Superbeitrag!!!!

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